Intermezzo. Revisiting Helmut Newton
Pressevorbesichtigung: 23. April 2026, 11.00 Uhr (dt.) // Helmut Newton Foundation, Berlin
Nach über 20 Jahren erfolgreicher Vermittlung in der Dauerausstellung „Helmut Newton’s Private Property“ im Erdgeschoss des Museums für Fotografie haben wir uns entschieden, das Ausstellungskonzept zu erweitern und die bisherige Präsentation radikal zu verändern. Die Grundidee, in diesem Raum über das Leben von Helmut Newton und seiner Frau June zu informieren, bleibt bestehen. Auch die Wechselausstellungen im ersten Stock kontextualisieren weiterhin zweimal im Jahr mal als Einzel-, mal als Gruppenausstellung das Werk von Helmut Newton und Alice Springs immer wieder aufs Neue.
Der Zwischenschritt der Transformation der bisherigen Dauerausstellung bietet ein filmisches „Intermezzo“ mit Helmut Newton in einem überwältigenden Filmraum. Im Erdgeschoss projizieren acht Videobeamer einen Film auf vier Leinwände. Der Film basiert in Teilen auf dem Filmporträt, das vor drei Jahren für eine große Newton-Ausstellung in A Coruña entstand, produziert von Profirst International in Zusammenarbeit mit dem Martin Salvador Studio für die dortige MOP Foundation. Ergänzt wird es durch bislang ungezeigtes Filmmaterial. Hierfür wurden unterschiedliche Quellen herangezogen, unter anderem Material von June Newton, welches vor Kurzem im hauseigenen Archiv aufgearbeitet und digitalisiert wurde. Erstmals sehen die BesucherInnen damit nun auch in Berlin Interviews mit einem Dutzend Zeitzeugen, unter anderem mit Philippe Garner, Carla Sozzani, Jenny Capitain, Violetta Sanchez oder Matthias Harder und können das Werk Newtons gänzlich neu erfahren. Der Film ist zu einem Endlos-Loop zusammengeschnitten und bietet den interessierten BesucherInnen ein überraschendes und inhaltlich verdichtetes Erlebnis.
Im hinteren Teil des Ausstellungsraumes im Erdgeschoss des Museums hängen weiterhin knapp 100 Ausstellungsplakate von Newton, allerdings in einem veränderten Setting und ergänzt durch mehrere Plakate unterschiedlicher Alice Springs-Einzelausstellungen. In der 16 Meter langen Vitrine unter den Postern wurden die Vintage-Magazine mit Newtons publiziertem Werk für die neue temporäre Präsentation „Intermezzo“ durch andere Mode- und Lifestylemagazine ersetzt und mit Zeitschriften-Editorials von Alice Springs kombiniert, darunter Magazine wie Jardin des Modes, Elle, Vogue, Vanity Fair, Egoïste, Stern, The New Yorker, Photo oder Paris Match. An dieser Stelle bleibt also das Ausstellungsdisplay gleich, nur der Inhalt ändert sich. Das langsame Abschreiten der Wandvitrine offenbart weiterhin einen intensiven Einblick in die Entwicklung der Modefotografie und des sich wandelnden Frauenbildes in der westlichen Welt von den späten 1950er-Jahren bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, inklusive der revolutionären gesellschaftlichen Umbrüche in den 60ern und 70ern und ihren visuellen Auswirkungen – bis in die Mode hinein, die ja bekanntlich den Zeitgeist widerspiegelt.
Daneben, in den Korridoren von „Intermezzo“, werden große Texttafeln mit illustrierten Biografien zum Leben und Werk von Helmut und June Newton sowie gerahmte Porträtfotografien der beiden Stiftungsgründer präsentiert. Und gegenüber der riesigen Posterwand beginnt eine neue kuratorische Idee, die später unter dem Motto „Spotlight: Behind the Frame“ in unregelmäßigen Intervallen wiederholt wird: Eine jeweils ikonische Fotografie aus dem Werk von Helmut Newton oder Alice Springs wird in den Fokus gerückt, indem ihre Entstehungs- und Distributionsgeschichte anhand von Kontaktabzügen des Shootings, den Veröffentlichungen des konkreten Bildes, ggf. Notizen, vorbereitenden Polaroids und vergleichbaren Aufnahmen beleuchtet wird. Es beginnt mit „Rue Aubriot“, der legendären Modeaufnahme Newtons aus Paris, aufgenommen in der titelgebenden Straße für die französische Vogue im Jahr 1975, sowie der ersten Fotografie im Werk von Alice Springs: das rauchende männliche Modell, ein Werbebild für Gitanes-Zigaretten, aufgenommen 1970 ebenfalls in Paris. Diese Ausstellungsidee im Miniaturformat soll später auch von GastkuratorInnen weitergeführt werden, wodurch ein externer, frischer Blick auf das Werk von Helmut Newton und Alice Springs ermöglicht wird. Die Foundation und ihre Archive werden auf diese Weise im wahrsten Wortsinn für eine Neubegegnung geöffnet.
