Rudi Meisel – Vor meinen Augen
Galerie Bene Taschen freut sich, den deutschen Fotografen Rudi Meisel (1949, Wilhelmshaven) mit der Einzelausstellung Vor meinen Augen im Galerieprogramm erstmalig zu präsentieren. Seine Arbeiten aus den letzten sechs Jahrzehnten zeigen Menschen und das Leben in Deutschland – mit Einblicken in Alltagssituationen im Osten wie auch im Westen.
Meisel studierte Fotografie bei Otto Steinert an der Folkwangschule in Essen. Er ist Mitgründer der Fotoagentur VISUM. Er arbeitete für Pressezeitungen und Magazine wie u. a. Der Spiegel, ZEITmagazin, Stern und art. Im Austausch mit dem Architekten Norman Foster, dokumentierte Meisel die Umbauphase und Geschichte des Reichstagsgebäudes. Tätig als einer der wenigen Fotografen, die in der DDR aus der BRD fotografierten, stehen seine Arbeiten als Zeitzeugen eines geteilten Deutschlands. „Beim Fotografieren bin ich nur Auge“ – sein Werk bringt dadurch nicht nur die wirtschaftlichen und sozialen Themen der damaligen Gesellschaft hervor, sondern auch persönliche Einblicke in einem historischen Zeitalter. Die Werkreihe Landsleute 1977 – 1987: Two Germanys dokumentierte über elf Jahre hinweg den Alltag der Menschen aus Ost- und Westdeutschland und schuf damit ein umfangreiches bildjournalistisches Archiv. 2015 wurde die Serie als Einzelausstellung im C/O Berlin gezeigt, begleitet von der Veröffentlichung der gleichnamigen Publikation. Meisel zeigt Personen aller Altersgruppen in verschiedenen Umgebungen: von Warten am Gleis, Stehen in überfüllten Bahnen, Gespräche auf Gehwegen, Einsteigen ins Fahrgeschäft der Kirmes, bis hin zum Verweilen auf der Autoraststätte.
Er dokumentierte in Autorast 1971 Szenen auf den Rastplätzen entlang der A3 bei Köln. Die Werke zeigen Menschen, die ihre Fahrt für kurze Zeit unterbrechen, sei es zum Essen, Rauchen, Tanken oder Spielen. In den Schwarzweißaufnahmen werden die anonymen Durchgangsorte zu Momentaufnahmen alltäglicher, zeitübergreifender Bedürfnisse.
Rudi Meisel wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Kunstpreis Literatur Fotografie, dem Kodak-Fotobuchpreis sowie zweimal während seinem Studium mit dem Deutschen Jugendfotopreis. Seine Arbeiten wurden international präsentiert, darunter in Institutionen wie dem Museum Folkwang in Essen, im Rahmen der Phototriennale Hamburg, sowie in Goethe-Instituten weltweit. Seine Werke sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, u. a. die Deichtorhallen Hamburg, das Deutsche Historische Museum, Berlin, das Haus der Geschichte, Bonn, das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus, sowie das Museum Folkwang und Ruhr Museum, Essen. Heute lebt er in Berlin und unterrichtet Fotografie an verschiedenen Universitäten.

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