Thomas Hoepker – Bilderfabrikant

bis 17. März 2022 // Ernst Leitz Museum, Wetzlar

Das Ernst Leitz Museum Wetzlar präsentiert vom 1.4. bis zum 17.7.2022 unter dem Titel „Thomas Hoepker – Bilderfabrikant“ eine umfangreiche Retrospektive des deutschen Magnum-Fotografen.

Wie kaum ein anderer hat Thomas Hoepker den deutschen Bildjournalismus seit den 1960er-Jahren mitgeprägt. Zu Beginn als fester Mitarbeiter wichtiger Magazine, als Fotograf und Korrespondent, aber auch als Artdirector und international renommierter Magnum-Fotograf zählt er heute zu den wichtigsten Vertretern eines engagierten, emphatischen Bildjournalismus. Dabei hat er sich selbst immer ganz bescheiden als Auftragsfotograf, als „Bilderfabrikant“ verstanden. Als einer, der sich für nichts Geringeres als für die Wirklichkeit interessiert, für die Wahrhaftigkeit des Augenblicks. Dabei ist über die vielen Jahrzehnte seines aktiven Fotografenlebens längst ein Werk entstanden, das weit über den Entstehungskontext hinaus als vielschichtiges, eigenständiges, aber auch immens künstlerisches Werk gesehen wird. Unaufgeregt, subtil und fern von Sensationslust wurden viele seiner Motive durch ihre präzise Bildgestaltung und dichte Bildaussagen sowie Hoepkers feinem visuellen Gespür zu Ikonen der „concerned photography“.

1936 in München geboren, entstanden bereits im Alter von 14 Jahren erste Aufnahmen mit einer Glasplattenkamera. Dem Wunsch der Eltern entsprechend begann er zunächst ein ordentliches Studium in München, wobei Vorlesungen zur Kunstgeschichte und Archäologie sowie Museumsbesuche sein visuelles Gespür bestens trainierten. Das Studium schloss Hoepker nicht ab, denn erste Anerkennungen stellten sich mit Preisen bei Wettbewerben wie „Jugend photographiert“ der photokina ein. Sein Erfolg brachte ihn Ende der 1950er-Jahre als Bildreporter zur „Münchner Illustrierten“, zwei Jahre später wechselte er in die Hamburger Redaktion von „Kristall“. Da das Magazin bereits Farbseiten druckte, konnte Hoepker schon damals mit Farbfilmen fotografieren – auch dabei blieb die Leica unentbehrliches Arbeitsinstrument. Ab 1959 arbeitete er für internationale Magazine und Jahrbücher, reiste für die Zeitschrift „Kristall“ mehrere Monate durch die USA. Ab 1964 gehörte er zum festen Fotografenstab des „stern“, dessen Bildsprache er nachhaltig – ab Ende der 1980er auch als Artdirector – prägte. 1976 zog Hoepker nach New York, 1989 wurde er das erste deutsche Mitglied der renommierten Agentur Magnum Photos, von 2003 bis 2007 war er ihr Präsident. Mit seiner zweiten Ehefrau, der Filmemacherin Christine Kruchen, entstehen weiterhin Dokumentarfilme. Hoepker lebt in New York und Berlin. Zahlreiche Auszeichnungen (u.a. 1968 Kulturpreis der DGPh). 2005 Stiftung mehrerer Tausend Fotografien an das Fotomuseum im Stadtmuseum München. 2014 wurde Hoepker mit dem Leica Hall of Fame Award geehrt…