Guy Bourdin. Image Maker / Helmut Newton. A Gun for Hire / Angelo Marino. Another Story

Eröffnung: 30. November 2017, 20.00 Uhr // Helmut Newton Stiftung, Berlin

Am 30. November 2017 eröffnet die neue Ausstellung Guy Bourdin. Image Maker / Helmut Newton. A Gun for Hire / Angelo Marino. Another Story in der Berliner Helmut Newton Stiftung.

Guy Bourdin revolutionierte in den 1960er- und 1970er-Jahren die Modefotografie ähnlich wie Helmut Newton. Beide arbeiteten für die gleichen Modemagazine, beispielsweise für die französische Vogue, und direkt für Klienten aus der Modewelt und entwickelten – neben der offensichtlich zeitlosen Eleganz in ihrem Werk – unabhängig voneinander die Idee des „Radical Chic“.

Während Bourdin ab 1967 in dem französischen Designer Charles Jourdan einen Hauptauftraggeber fand, fotografierte Newton die Kollektionen unterschiedlicher Kunden wie Chanel, Yves Saint Laurent, Thierry Mugler, Mario Valentino oder Blumarine – parallel zum Zeitschriften-Editorial. Newton nannte sich selbstironisch „A Gun for Hire“ – und so hieß auch die Ausstellung seiner Auftragsarbeiten, die 2005 posthum in Monaco und Berlin und später in Budapest gezeigt wurde. Eine Auswahl dieses Projekts wird nun in der Helmut Newton Stiftung erneut ausgestellt – erstmals in Gegenüberstellung mit den Werken seines bedeutenden französischen Kollegen Guy Bourdin. Von Guy Bourdin werden unter dem Ausstellungstitel „Image Maker“ exemplarisch Aufnahmen aus unterschiedlichen Veröffentlichungszusammenhängen vorgestellt; insbesondere die bekannten und einige weniger bekannte Werbebilder für Schuhe von Charles Jourdan. Bourdin zeigt uns die Schuhe in formal und inhaltlich überraschenden Kontexten, seine avantgardistischen Fotografien wurden für ganzseitige Anzeigen verwendet – und zählen, jenseits des Werbekontextes, zu den ikonischen Bildern der 1970er-Jahre. Bourdin unterschied in seinem modebasierten Werk stilistisch und kompositorisch nicht zwischen Werbung und Editorial: Mal marginalisierte er seine weiblichen Modelle, um Jourdans Schuhe im Bild besonders zu exponieren, das andere Mal radikalisierte er das Frauenbild in makabrer Inszenierung. Er nutzte Überblendungen, Figurenanschnitte und -ausschnitte, ungewöhnliche Körperhaltungen und vermeintliche Gewalt- oder Todesdarstellungen. All dies erinnert uns Bildbetrachter an die experimentellen und mitunter unheimlichen oder verstörenden Darstellungsmodi der Surrealisten, die Bourdin, wenn man so will, ins Zeitgenössische transformierte.

In Helmut Newtons „A Gun for Hire“ sehen wir vor allem Auftragsarbeiten für Modedesigner aus den 1990er-Jahren, die zunächst in deren Modebüchern veröffentlicht wurden – und manche vom Fotografen später in sein eigenes Werk übernommen wurden. Dabei entstand nie nur ein bloßer Modeentwurf, sondern immer auch eine überraschende, eingeflochtene Geschichte, die mal eine Spur Suspence wie von Alfred Hitchcock enthält, mal einen surrealen Vorläufer zu haben scheint – und dabei als Bild doch immer autonom bleibt. Häufig ist nicht klar, wo die Wirklichkeit endet und die Inszenierung beginnt; alles wirkt real und künstlich zugleich, mitunter in ein kinematografisches Licht getaucht. Ähnliche Darstellungsmodi begegnen uns auch bei Bourdin. Newton realisierte in seinen späteren Mode- und Produktaufträgen häufig Sequenzen, hier als Schwarz-Weiß-Bildgeschichte für Villeroy und Boch (1985), als Reihe von Einzelbildern für Absolut Vodka (1995), als Aufnahmeserie mit dem Model Monica Bellucci in unterschiedlichen Kleidern von Blumarine (1998) oder 12 Motive mit Bikini-Modellen für einen Sportmagazin-Kalender (2002).

Der kleine, intime „June’s Room“ ist Freunden und Wegbegleitern der Newtons vorbehalten, diesmal Helmut Newtons ehemaligem Assistenten Angelo Marino, der inzwischen Newtons Witwe June (alias Alice Springs) zuarbeitet. Ergänzend zu Bourdin und Newton stellt er unter dem Titel „Another Story“ einen ungewöhnlichen Blick auf seine unmittelbare Umwelt vor, denn Marino fotografierte auf dem Weg von seinem Wohnort Cannes zu seinem Arbeitsort Monte Carlo schnappschussartig mit seinem iPhone Mitreisende, das Meer oder die vorbeirauschende Architektur oder Landschaft aus dem Zugfenster. Angeordnet sind jeweils fünf Farbbilder zu einem Tableau, die eine Woche repräsentieren, insgesamt 52 Panels.

 

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